Ich binge das mal weg…

6. Juli 2021 3 Min Lesen

Digitale Inhalte befinden sich seit Ausbruch der Coronakrise unweigerlich auf dem Vormarsch. Das gilt nicht nur für die tägliche Kommunikation, für Veranstaltungen und Events, sondern insbesondere auch für die Inhalte zahlreicher Streaminganbieter, die uns ein wenig Ablenkung vom Alltag versprechen und in neue Welten einladen. Mit diesen Tipps unserer Redaktion geht das ganz besonders gut.

 


Sweet Tooth (Netflix, seit 04.06.)

Comicadaptionen gibt es mittlerweile wie Sand am Meer, eine wie „Sweet Tooth“ haben wir noch nicht gesehen. Im Prinzip eine postapokalyptische Pandemiegeschichte, ist die Adaption der gefeierten Graphic Novels von Jeff Lemire eigentlich genau das, was wir gerade nicht sehen wollen. Wäre der Umgang mit dem Thema nicht fast schon märchenhaft und die Bildsprache nicht so ausgesprochen schön. Im Mittelpunkt steht der junge Gus, der wie zahlreiche andere Kinder auch nach dem Ausbruch einer weltweiten Pandemie als Hybrid aus Mensch und Tier zur Welt kommt. Die befindet sich bald schon vor ihrem kompletten Zusammenbruch, was nicht Wenige ausgerechnet den Hybriden zuschreiben, auf die von den verbliebenen Menschen oft erbitterte Jagd gemacht wird. Nachdem er zehn Jahre in der Abgeschiedenheit eines Naturreservats aufgewachsen ist, macht Gus sich nach dem Tod seines Vaters auf, seine Mutter und vielleicht sogar Artgenossen zu finden und zu befreien. Der Beginn einer wunderschönen und oft herzerwärmenden Odyssee durch ein anderes Amerika, die teils „Tom Sawyer“-Abenteuer teils „The Road“-Apokalypse ist und zu den bislang besten Serien des laufenden Jahres zählt.

 


Ted Lasso (Apple+, 2. Staffel ab 23.06.)

Es klingt eigentlich nach dämlicher amerikanischer Fish-Out-Of-Water-Komödie: Amerikanischer Footballtrainer wird zum Manager eines britischen Premier-League-Clubs. Und doch war „Ted Lasso“, das u. a. Hauptdarsteller Jason Sudeikis den Golden Globe einbrachte, so viel mehr. Ein herzerwärmender und mit popkulturellen Zitaten gespickter Culture Clash des berufsoptimistischen Amerikaners mit missmutigen Briten, bei dem weniger der Fußball im Mittelpunkt steht und mehr Teamgeist, Durchhaltevermögen und Menschlichkeit. Das hat gerade in der zurückliegenden „Corona-Saison“ für Freudentränen bei der weltweiten Filmkritik gesorgt, ist hierzulande aber immer noch nicht als eines der aktuell besten Komödienformate bekannt. Zeit, dass sich das mit Staffel zwei jetzt ändert. Zumal zumindest Apple-Nutzer im ersten Jahr meist kostenfrei auf den auch sonst sehr empfehlenswerten Streamingdienst zugreifen dürfen.

 


Killing Eve (Staffeln 1 – 3, Starzplay)

Wie? Sie kennen Eve noch nicht? Dann lesen sie entweder keine ausländischen Magazine (wo die Serie seit Staffel 1 hymnisch gefeiert wird), sie folgen keinen Preisverleihungen (wo sie regelmäßig abräumt) oder sie haben vom Zubuchsender Starzplay (u. a. bei Amazon, Apple) noch nichts gehört. Hier gibt es für vergleichsweise kleines Geld einige der besten Serien der letzten Jahre (u. a. auch „Normal People“, „Years & Years“, „The Great“, „We Ae Who We Are“) und eben auch „Killing Eve“, mit der sich Showrunnerin Phoebe Waller-Bridge u. a. als Autorin für den neuen Bond empfohlen hat. Die MI5-Agentin Eve Polastri (Sandra Oh) bekommt es hier mit der mysteriösen Villanelle (Jodie Comer) zu tun, die im Auftrag einer geheimnisvollen Organisation in ganz Europa einem mörderischen Treiben nachgeht. Beide Figuren verbindet schon bald eine gefährliche (und leidenschaftliche) Obsession füreinander, weshalb der auch sehr schwarzhumorige (und oft ganz schön harte) Killerreigen mit fast jeder Episode neue Facetten und Geheimnisse hinzugewinnt. Man stelle sich ein serielles Actionfeuerwerk Bond gegen Blofeld vor, ausgetragen vor pittoresken Hintergründen. Nur eben mit starken Frauen statt mit egozentrischen Kerlen.

Christopher Büchele
Redakteuer